gango lose – Ariella Käslin

Von einer Karriere als Profikunstturnerin, über ein Burnout zu einem ausgeglichenen Leben. Ariella Käslin hat einiges an Erfahrung gesammelt, schwierige Zeiten gemeistert und ist nun mit einem abgeschlossenem Studium in Sportwissenschaften, sowie einer laufenden Ausbildung in Physiotherapie wieder in vollem Schwung.

Tipp: Was luegsch? Ariella empfiehlt ‘Minimalism’, eine Dokumentation auf Netflix. Eine inspirierende Bewegung, vor allem in der Corona Krise, da alle viel Zeit haben, um das zu Hause etwas auszumisten. Was brauchen wir wirklich? An was halten wir uns fest? Platz schaffen für Neues und Kreativität interessiert Ariella und sie hofft, dass sich diese Bewegung ausbreiten und langfristig anhalten kann.
Wie sieht ihr Leben jetzt aus?

Ariella’s Leben dreht sich nach wie vor stark um den Sport und den menschlichen Körper. Einen ganzen Tag still zu sitzen kommt für sie nicht in Frage. Kunstturnen hat sie jedoch abgelegt, und sucht sich Sportarten, in welchen sie Fortschritte machen kann. Für Ariella sind das Ausdauersportarten, wobei sie meist auf dem Bike anzutreffen ist.

Sie hat Sportwissenschaften an der Uni Bern studiert, was für sie jedoch zu wenig spezifisch war, und befindet sich nun im zweiten Ausbildungsjahr zur Physiotherapie. Sie meint, dass sie ihre Studienrichtungen nicht wegen zukünftiger Berufsmöglichkeiten wählt, sondern nach momentanem Interesse.

Nebst ihrem Studium, hat Ariella gemeinsam mit zwei Sportwissenschaftlern, drei Physiotherapeuten und einem Erziehungswissenschaftler ein Angebot kreiert, das sich speziell an Firmen richtet. ‘Brainput’ ist ein Workshop, den sie anbieten um die Resilienz, also Widerstandsfähigkeit, von Mitarbeitern zu verbessern. Mit ihrem Wissen aus dem Spitzensportleralltag und Erfahrungen aus dem Studium, bietet sie mit ihrem Team Coping- Strategien an, um mit dem stressigen Alltag umzugehen. In eintägigen Workshops bearbeiten sie drei Schwerpunkte: Stressbewältigung mit Sport, Techniken aus der Psychologie, sowie ihr ‘Invest in Rest’ Programm, wo mit optimaler und gezielter Erholung während dem Tag gearbeitet wird.

Was ist ihre Geschichte? Ariella hat in 2011 ihre Karriere als professionelle Kunstturnerin aufgrund einer Erschöpfungsdepression abgebrochen. Dies kam nach grossen Erfolgen in 2008 an den Olympischen Spielen, wo sie sich den fünften Platz im Pferdsprung ergatterte, sowie in 2009 als Europameisterin in derselben Disziplin.

Seither hat sich in ihrem Leben vieles ergeben. Ariella war zunächst der Meinung, dass sie nach einigen Wochen Ruhe wieder mit voller Leistung starten könnte. Ein grosser Lebenswandel stand ihr zuvor. Spitzensport auf so hohem Niveau zu betreiben bedeutete ein
durchstrukturiertes Leben: vom Trainingsalltag bis zur Ernährung. Ariella erzählt wie sie plötzlich nicht mehr wusste wie auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören. Hunger, Schmerz und Müdigkeit waren Gefühle, die sie stets überhört hatte. So war etwas einfaches wie eine Tafel Schokolade auszuwählen eine komplette Überforderung. Mittlerweile hat sie sich entschieden, dass ‘Ovischoggi’ am besten schmeckt.

Sie erzählt davon, dass Spitzensport nichts mit Gesundheit zu tun hat. Zwar passt sich der Körper eines Kindes sehr an grosse Belastungen an, doch mit der Pubertät wird es kompliziert. Ernährung beginnt eine grosse Rolle zu spielen und wird wie das Training strikte reguliert. Ariella befand sich immer am Minimum der Kalorienzufuhr, was sowohl für den Körper als auch die Psyche sehr belastend ist. In der Pubertät hatte sie zudem nicht die Möglichkeit einfach etwas auszuprobieren und ‘sich zu finden’. Jedoch betont sie, dass sie unglaublich schöne Zeiten gelebt, und zudem vieles gelernt hat.

Mit professioneller Hilfe von Psychotherapeuten und auch Medikation, hat sie es wieder auf die Beine geschafft. Der Übergang zum Studium war trotzdem schwer, da sie zunächst die Matura absolvieren wollte, es jedoch nach knapp einem Jahr zu viel wurde. Darauf folgte ein Jahr Pause und anschliessend eine erfolgreich absolvierte Erwachsenenmatura.
Was bringt die Zukunft? Ariella’s Ziel ist e
s ihre Spitzensporterfahrung, Sportwissenschaftstudium, Psychologiewissen und Physiotherapieerfahrung in Zukunft kombinieren zu können.
Obwohl Ariella’s Vergangenheit viele Schwierigkeiten beinhaltet, betont sie, dass sie es alles nochmals so durchmachen würde. Heute schätzt Ariella die Erfahrungen, welche sie durchmachen musste, unglaublich und weiss, dass sie ohne diese an einem ganz anderen Ort stehen würde. Sie hat vieles gelernt und ist dadurch viel ausgeglichener und mit ihrem Leben zufrieden.